karos beirut

Saturday, July 29, 2006

SMS im Libanon (zu Friedenszeiten)

Und wieder kommentiere ich einen spiegel-online-Artikel, und zwar Psychokrieg per Handy. Da erzählt ein Journalist, wie er ungebetene SMS und Anrufe bekommt. Die israelische Armee zum beispiel verschickt Nachrichten an libanesische Handys, mit denen sie Anti-Hisbollah-Propagande macht. Außerdem bekommen Handys im Süden Anrufe, bei denen Tonbandstimmen vor Gefechten warnen.
Dass die libanesische Telefongesellschaft es mit dem Datenschutz nicht so arg genau nimmt, habe ich auch schon erfahren! Auf meinem libanesischen Handy hatte ich immer mal Nachrichten von Vater Staat. Zum Beispiel ein Aufruf, dass die nationale Impfkampagne gegen Polio losgeht. Inklusive einer Erinnerungsnachricht kurz vor Ablauf der Kampagne. Etwas später gab es einen nett gemeinten Versuch, die Benutzung von Anschnallgurten zu propagieren. (Hat nichts genützt.)

Sunday, July 23, 2006

Antwort auf einen spiegel online-Artikel

Antwort auf Matthias Küntzel: „Warum Israel richtig reagiert“, spiegel online, 23.7.2006

„Der Islamismus hat Israel vom Süden und vom im Norden angegriffen.“

Hisbollah und Hamas sind beide islamistisch. Was heißt Islamismus? Das Gerede von einem islamischen Staat ist gerade in Palästina und Libanon Ideologie, Utopie – zu viele Christen. Wobei auch unter den Christen Palästinas die Mehrheit Hamas gewählt hat, und dies bestimmt nicht, um unter islamischen recht als Schutzbürger zweiter Klasse zu leben, sondern aus Gründen des Widerstands gegen westliche Vorherrschaft im Allgemeinen und Israel im speziellen.

„Israels Regierung will Frieden.“

Schlagwort. Jeder will Frieden. Für sich.

„Zum einen erkennt Israel den Libanon als souveränen Staat an, der deshalb für den Überfall der Hizbollah vom 12. Juni 2006 die Verantwortung trägt.“

Dann könnte Olmert doch auch mit Siniora verhandeln. Die Hisbollah ist ein Staat im schwachen Staate Libanon, und das weiß Israel.

„Zum anderen ist Israels Kriegsziel klar definiert: […] a. Umsetzung der UN-Resolution 1559 (Entwaffnung der Hizbollah), b. Umsetzung der UN-Resolution 5241 (alleinige Kontrolle des südlichen Libanon durch die offizielle libanesische Armee), c. bedingungslose Rückgabe der entführten israelischen Soldaten.“

Diese Ziele werden mit der augenblicklichen Strategie nicht erreicht.
c. Die Soldaten werden durch Bombardements nicht befreit. Die Zerstörung der Infrastruktur kann auch nicht dazu dienen, zu verhindern, dass die Entführten aus dem Libanon geschafft werden, denn sie können längst draußen sein.
b. (Küntzel spielt auf Resolution Nr. 1614 an, der Sicherheitsrat hat noch gar keine 5000 Resolutionen herausgegeben.) Die Bombardements stärken den Staat nicht, sie schwächen ihn.
a. Es stimmt, die Hisbollah sollte dringend entwaffnet werden. Nur ist auch dies durch Bombardierungen kaum zu erreichen.
Das sollten die israelischen Strategen wissen, deshalb glaube ich ihnen die genannten Kriegsgründe nicht. Aber was wollen sie dann? Macht demonstrieren?
Und was will eigentlich die Hisbollah erreichen? Will sie auf Weisung von Iran vom Atomstreit ablenken? Will sie ihre innerlibanesische Legitimität als nationaler Widerstand stärken, indem sie die Gefährlichkeit Israels beweist?

Nun folgt ein Totschlagargument meinerseits: Welche Militärstrategie steckt dahinter, im christlichen Viertel Ashrafiye einen Laster mit Medikamenten zu bombardieren?!

„Mit Flugblättern und Radiosendungen wird die libanesische Zivilbevölkerung vor Einsätzen in Wohngebieten gewarnt.“

Aber sie können nicht aus dem Süden fliehen, weil die Autobahnen zerbombt sind.

„Es gebe keine Kunst, schwärmt auch der Patron der Hizbollah, Mahmoud Ahmadinejad, "die schöner, göttlicher und ewiger wäre als die Kunst des Märtyrertods." Nach diesem Motto nimmt die Hizbollah mit ihrer Kriegsführung den Tod nicht nur der Juden sondern auch unzähliger schiitischer Moslems in Kauf. So hat sie ihre Raketen gezielt inmitten schiitischer Wohnviertel platziert. […] Wird die Hizbollah ihre Waffen jemals freiwillig abgeben? Auf keinen Fall!“

Das stimmt, die Kampf-Ideologie ist unerträglich. Nur: Rechtfertigt dies den Tod von über 200 Zivilisten in zehn Tagen? Und rechtfertigt es den Plan, den Libanon um 20 Jahre zurückzuwerfen? Durch die Angriffe werden die Hisbollah-Anhänger nur noch radikaler.

„Nie hatte Israel bessere Voraussetzungen, diese Aufgabe zu erledigen. Je länger es sich hierauf konzentrieren kann, desto größer ist die Aussicht auf einen befriedeten Libanon und einen länger anhaltenden Frieden.“

Ungefähr so groß wie die Aussicht auf einen befriedeten Irak oder was?!

„Darüber hinaus hat mittlerweile auch der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora von der Hizbollah und ihrem Terrorismus distanziert - eine Folge der Schwächung jener Organisation, die ihn bislang erfolgreich unter Druck zu setzen verstand.“

Der Libanon ist in zwei politische Lager gespalten: Die Unterstützer der Kräfte des 14.März mit Siniora und Jumblat an der Spitze und das prosyrische Lager, in dem Nasrallah ein wichtiger Anführer ist. Daher hat sich Siniora seit seinem Amtsantritt durchaus immer wieder von der Hisbollah distanziert – sie ist sein politischer Gegner. Dass sie dennoch zwei Minister stellt, ist dem System Libanons als Konkordanzdemokratie geschuldet.

Solidarität in ungeahnter Form


Ich habe noch niemals eine Fahne rausgehängt, mich mit politischen Buttons geschmückt oder auch nur ein Poster von irgendeinem Politiker rausgehängt. Aber nun wächst mein verzweifeltes Bedürfnis, mich mit den Libanesen solidarisch zu zeigen...

Thursday, July 20, 2006

Libanesen rufen um Hilfe

Der Tenor aus dem Libanon lautet: Warum helft ihr uns nicht? Warum lasst ihr das zu?

Die Libanesen fühlen sich von der Weltgemeinschaft schrecklich allein gelassen. Jeder sechste ist schon auf der Flucht... ein Lastwagen mit Medikamenten wurde bebombt, es soll ein Versehen gewesen sein... es gibt kaum noch sichere Orte im Land, und sie können nirgendwo hin.

Fady, ein junger Architekt, schreibt: "Hello Karo, they are killing us, they are bombing us [...] Save us, make demonstrations, help us with your voice. [...] Stand by us, pray for us, and shout for your government to move! Take care! Fady"

Sabrine ist Mutter von vier Kindern, 28 Jahre alt. Sie ist aus Südbeirut mit ihrer Familie auf eigene Faust in die Berge geflohen. Sie sagt: "Es ist nicht gemütlich, aber sicher. [...] Wir haben kein Benzin mehr, aber wir wollen ja eh nirgends hinfahren. In der Schule hier sind 24 Menschen in vier Räumen, in anderen, größeren Schulen sind über 300 Leute. Wir haben es gutGott sei Dank hat der Fernseher nur ab und zu Strom.So erfahren wir nicht rund um die Uhr alle Nachrichten und ich rege mich nicht dauernd auf. [...] Vielleicht kannst du den Menschen in deinem Land von uns erzählen. Sie sollen uns nicht vergessen!"

Und dann gibt es diese Blogs, auf denen Fotos von toten Kindern gepostet sind. Darüber steht "From the Lebanese People to the so called 'civilized' West: Thank you".

Thursday, July 13, 2006

Bomben auf Beirut! Ein Anlass zum weiterschreiben

Die Hisbollah entführt zwei israelische Soldaten, Israel bombardiert den Libanon und rückt mit Panzern ein.
Langsam verliere ich den Glauben an die Menschheit.

In einigen Gebieten des Libanon hat nicht der Staat das Gewaltmonopol, sondern die Hisbollah. Als ich an Pfingsten in Beirut war, hat mir ein Pressesprecher der Hisbollah gesagt, die libanesische Armee wäre nicht fähig, den Südlibanon gegen Israel zu verteidigen - schließlich sei es die Hisbollah gewesen, die die Israelis dort vor sechs Jahren zum Abzug bewegt hat. Eine andere Hisbollah-Anhängerin meinte, die libanesische Armee könne theoretisch schon die Sicherheit des Südens übernehmen, aber daran haber der Staat kein Interesse: Große Bevölkerungsteile wollen an einem konfrontativen Verhältnis mit Israel festhalten. Der Staat aber will auch mit der pro-israelischen Welt auf gutem Fuß stehen. Also liefere die Hisbollah sich ab und zu Scharmützelchen mit israelischen Grenzposten, für die der Staat sich vor seinen Partnern und Verbündeten nicht rechtfertigen muss.
Jetzt geht das gewaltig nach hinten los: Hisbollah unternimmt im Alleingang Angriffe, der Ministerpräsident betont, nichts dmit zu tun zu haben, müssen sich aber vor der Welt rechtfertigen. Das ist auch richtig, denn sie hätten schon längst darauf dringen zu müssen, die Hisbollah zu entwaffnen, wie es eine UNO-Resolution vorsieht.

Ich bin besorgt... meine Freundin Amani schreibt aus Beirut:
"actually people are scared and Beirut is almost empty coz most of the
people who used to come from Dahia and the South are kept there coz they bombed
the bridges and most of the people from North went home and only those who
are from Beirut stayed most of them at home....u can feel it comming
hopefully it will end soon"

Sehr zu empfehlen ist nach wie vor das Blog meines tunesischen Mitbewohners Zizou.

Friday, February 17, 2006

What happened in Turkey after I left

In Istanbul I stayed with Jan, who lives in a castle, his neighbour is the German consul. It was great to stay there!
After I left there where two bombings in Istanbul. And the Germans (aling with the Americans and the British) have received bomb threats. So Jan's house now has security level two. That implies: No visitors! Lucky me that I was there before the threats!

Germany

I'm back. One week earlier than intended. Travelling doesn't make sense when you can't spend the whole day walking around outside to explore places. Hitchhiking is hardly possible when it is raining. And even if I felt really ill I refused to stay in and take it easy - travelling means being active!
So I finally decided to get a flight back, and here I am, in my Mom's house eating healthy chicken soup.

Its a bit disappointing, I should have listened to my inner voice that had told me to stay some more days in Beirut and then catch a flight from there!

Serbia

My bus to Belgrade leaves Sofia in the early morning, after a night in which I woke up coughing again and again... I urge my hosts not to accompany me to the bus station - yes I can find my way alone, even in a new city with cyrillic script!

At the border I want to use the registration card that had made us run around town for hours, but nowbody wants to see it! Sometimes buraucracy is a mystery.
On both sides the customs officers want to see the contents of every bag. The Bulgarian officer even speaks German, he asks me "Woher kommen Sie gerade?" If a Lebanese officer had adressed me like this I would have talked to him, like "oh, you speak German! Amazing! Where did you learn it? I see, so your brother/ cousin/ son is in Northrhine-Westphalia! Is he happy there? Thank god. And his children? ..." But the Bulgarian looks so ill-humoured that I don't dare starting a conversation.

In Belgrade I meet Nini, my flatmate's girlfriend! She is surprised that I am already there, even though she had been informed that I am on my way some days ago. But Nini doesn't have any problem with me occupying all her free time for two days. She shows me everything, the town, the citadel, the bridge where a poet commited suicide. I get to know her favorite church and favorite cafe.





Belgrade is - to me - not exotic at all. Rather like Germany. Beautiful architecture!

I'm still coughing and sliming... Good to have a warm hostel bed. The hostel (Belgrade Eye) is quite new and I can only recommand it. It doesn't look like a hostel, rather like a family home! They even provide free coffee, tea, towels, shampoo (sic!) and internet. Well, at a certain point they told me that the internat wasn't for my excessive use, but the first three times in two days were no problem.
(No they did not pay me for this post!)
I share my room with another German - a consultant on a gothic-tour through eastern Europe! Consultant and gothic, seems to be a strange mix, I advise him to come to Leipzig for the annual gothic-festival in June.

Another article

And, thanks for reminding me, there is this article in LA Times quoting Zied! I didn't even know he gave that interview!

Once again I am amazed how the guys I know in Beireut are connected and important. Articles in leading media - of course the authors are some friends.
A conference (in Novemver) - of course some of the organizers as well as some of the participants.
Either these effortless networks are typical of Lebanon, or of Beirut, or just of studying abroad, I don't know, but for sure it's great.

Thursday, February 16, 2006

Artikel zur Demo in Beirut

Ich selbst war am Tag der Demos, einen Tag nach dem Mord an Hariri ja leider nicht in Beirut, aber meine Hausbewohner aus Hamra berichten.

Sabine von der Wohnung ueber mir hat einen Artikel in spiegel online geschrieben.

Und Zizou (dessen Freundin ich grade in Belgrad besuche) ist wie immer mit seinen Blog-Artikeln (auf franzoesisch, aber mit buntn Bildern) am Puls der Zeit.

Tuesday, February 14, 2006

14.2.: Important day!

Ok, it's Valentine's day. On the streetcorners of Sofia there are freezing people selling heart-shaped balloons. This is driving out the other Bulgarian holiday: The day of red wine! IN the countryside people go out into their vineyards, cut the plants and consectate them. Then they drink wine, lots of wine, sais Rositsa.

And it is an important day for Labanon: Hariri was assassinated one year ago! Thousands are gathering on Martyr's Square! I would LOVE to be there!
Guys, celebrate peacefully, don't believe in any dubious conspiracy theories, but fight for justice... whatever, this is getting lofty. I saw the demonstration on TV, but didn't recognize any of you.

"The real Bulgaria"

The next step towards Germany: Public transport is a coordinated network, and the cleaning women are female.

I went to Bulgaria by bus, again comlpetely speechless, but three Turkish men in my bus who used to work in Germany were useful translators. They even invited me to breakfast at the Sofia bus station and one offered me to stay with his family, but I already had found my host: Rositsa, I met her on the website of hospitalityclub. She and her boyfriend gave me a seperate room, and she took the day off to show me around! How nice can people be!

According to Lonely Planet and the tourist information office, foreigners have to register at the nearest police station, no matter if they are staying only 24 hours. And if you don't stay in a hotel, you must register with your host's passport. This took us hours! Go to the police, to another office, to a third office, need Rositsa's adress card, go home, don't find the card, go to another office to get a new adress card, go back to ofice number three to register. of course in quadruplicate: Twice in english, twice in bulgarian.
So we hardly had time to visit the sights, but my host is right when she sais that I did at least get to know the real Bulgaria - not a travel catalogue version!


Beware: Gipsy car crossing

But we saw a very nice church and happened to be there in the moment when some men started to sing a beautiful song I didn't understand, and to swing incense towards our faces. In front of that church there are stands selling jewelry, icons, and hip flasks for every ideology:





But it it so cold! And my cough is not getting better! Right now my hosts are preparing some speciall ani-cold drink (it includes red wine and black pepper, sonds healthy.) If my throat won't stop hurting tomorrow, I will look for a flight to Germany.